Erwin Puschmann

Bauschlosser. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1905    † 1943

 

Lebenslauf

Erwin Puschmann wurde am 8.2.1905 geboren. Er arbeitete als Bauschlosser in Wien. Er war Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend.

KPÖ, Haftstrafen im Austrofaschismus, Aufenthalte in Moskau, Prag und Jugoslawien

1923 trat Erwin Puschmann dem kommunistischen Jugendverband bei. 1925 war er mit der ersten österreichischen Jungarbeiterdelegation in der Sowjetunion. Ab 1929 war er im Sportklub Westend (Wien 14) aktiv. 1933, nach dem Verbot von Westend, initiierte er den Arbeitersportverein Olympia 1933. 1930 schloß er sich der KPÖ an. Er verbüsst mehrere Haftstrafen im Austrofaschismus, und war auch im Anhaltelager Wöllersdorf inhaftiert. 1935 ging er nach Moskau, 1937 nach Prag, dann mit der Parteiführung, der er angehörte, nach Paris und nach dem Einmarsch der Deutschen nach Jugoslawien. In Jugoslawien war er mit dem Wiederaufbau der Organisationsstrukturen der KPÖ befasst. Erwin Puschmann agierte in Bratislava und Wien, hatte Kontakte zu Willi Frank, Anton Reisinger (hingerichtet), aber auch zum Gestapospitzel Kurt Koppel.

Widerstand, Todesurteil, Hinrichtung

Am 22. 1. 1941 wurde Erwin Puschmann schweren Folterungen ausgesetzt. Er wurde am 22. 9. 1942 gemeinsam mit Franz Sebek und Karl Lisetz (beide hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 7.1.1943 erfolgte seine Hinrichtung im Landesgericht I in Wien.

Aus dem Tagesbericht der Gestapo Wien, von 27.-28. 10. 1941

„Nach Zerschlagung der Organisation der KPÖ durch die hiesige Aktion vom Dezember 1939 bis März 1940 wurde der ehemalige österreichische Kommunist Erwin Puschmann (…), der sich damals in Jugoslawien aufhielt, von dem Leiter der Sektion Österreichs der Komintern in Moskau [Johann] Koplenig mit der Aufgabe betraut, die zerstörte Organisation der KPÖ wieder aufzubauen und im Bereich der ganzen Ostmark zusammenzuschließen. Durch Einbau von V-Personen und Überwachungen wurden die Grundlagen für eine neuerliche erfolgreiche Aktion geschaffen. Erwin Puschmann wurde sohin anlässlich eines vorübergehenden Aufenthaltes in Wien am 22. 1. 1941 festgenommen. Im Anschluss daran wurde die Aktion gegen die KPÖ ausgelöst. Bisher wurden im Verlaufe der Aktion insgesamt 589 Personen beamtshandelt. 536 Personen befinden sich in Haft, davon 42 Spitzenfunktionäre und 105 Funktionäre. 74 der festgenommenen Personen wurden am 10. 9. 1941 und 41 am 10. 10. 1941 dem Ermittlungsrichter des Volksgerichtshofes beim Landesgericht Wien wegen Vorbereitung zum Hochverrat übergeben.“

Gedenktafeln

Am Haus des Slovan-Hütteldorf AC (14, Steinbruchstraße 5a) befand sich eine Gedenktafel für ihn (sie wurde 2000 im Zuge einer Hausrenovierung entfernt); sein Name steht auf der Gedenktafel für die zwölf Mitglieder des Zentralkomitees, die anlässlich des 14. Parteitages der KPÖ (1948) im Haus des Zentralkomitees (Wien 9, Wasagasse) enthüllt wurde, befindet sich im ehemaligen Haus der KPÖ Wien 10 (Wielandschule/Ernst Kirchweger-Haus); ebenso auf einer 1946 enthüllten Gedenktafel in der Bezirksleitung der KPÖ-Penzing (Wien 14, Drechslergasse 42; jetzt Sitz der KPÖ).

Gedenkort - Straflandesgericht Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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